In den 1990er-Jahren hat man ständig von der großen Zukunft des interaktiven Entertainments gesprochen, das dem Zuschauer mehr „Teilnahme“ geben soll. Während die Programmierer von Computergames ihre Spieler mit dem Breitband-Internet wahrlich in neue virtuelle Welten entrückten und vereinten (siehe World of Warcraft, Second Life), so blieb es beim Fernsehen lediglich beim bigbrotherartigen Rein/Raus-Wählen per SMS im eher seichten Unterhaltungssektor. Für Anspruchsvollere tat sich wenig bis nichts.
Das könnte sich jetzt ändern. „Late Fragment“ ist ein interaktives Filmexperiment, bei dem der Zuschauer mit der Fernbedienung des DVD-Players zum Regisseur wird. Auch das hat man schon früher mal gehört, aber irgendwie hat sich das nicht wirklich durchgesetzt: zu plump umgesetzt, zu holprig die Bedienung. Für „Late Fragment“ schufen das erfinderische kanadische Regie-Trio Daryl Cloran, Anita Doron und Mathieu Guez ein Geflecht aus düsteren, mysteriösen Geschichten und setzten diese auf hohem schauspielerischen und filmischen Niveau um. Die Interaktion des Zuschauers ist so in die DVD programmiert, dass dieser nicht eingreifen muss, damit die Story weitergeht, sondern er kann auch einfach den Film laufen lassen (siehe auch obiges Einführungsvideo). Klingt fast so, als hätten sie da einige störende Bugs entfernt. Das macht Platz für grundlegenden Fragen der Interaktion: wie ändert sich meine Wahrnehmung? Wie sehr lenkt mich meine Interaktion ab? Und brauch ich das ganze überhaupt? Mehr dazu, wenn ich die DVD ausprobiert habe…
Nähere Infos und die DVD bestellbar unter: www.latefragment.com


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