Yep, Sie haben sich nicht verlesen: genau vor 20 Jahren hat der Kanadier Douglas Coupland sein erstes Buch veröffentlicht, womit dem Kunststudenten gleich ein weltweiter Megaerfolg gelungen ist: Generation X. Mit diesem Titel bezeichnete er jene Generation junger Nordamerikaner, die seit den Wirtschaftswunderjahren erstmals weniger gute Zukunftsaussichten hatten als ihre Elterngeneration, zum ersten Mal war die allheilbringende Konsummaschinerie ins Stocken geraten (ein Effekt, der in Europa erst später und abgeschwächter spürbar wurde). Mit dem Roman traf er nicht nur inhaltlich den Nerv der Zeit, auch sprachlich setzte er mit seinen ideenreichen Wortschöpfungen („McJob“) neue Maßstäbe in der Popliteratur. Selbst der Untertitel „Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur“ klingt heute aktueller den je.

Seitdem habe ich – ja, wirklich –  jedes seiner Bücher gelesen, auch jene die nur in Nordamerika erhältlich sind wie Souvenir of Canada (Vol 1+2), die sich bekannt ironisch mit der kanadischen Identität befassen, City of Glass, ein Cityguide seiner Heimatstadt Vancouver, oder Terry, eine Hommage an den jungen kanadischen Volkshelden Terry Fox, der sich 1980 mit der Diagnose Krebs vornahm, auf seinem „Marathon of Hope“ quer durch Kanada von Küste zu Küste zu laufen, um auf diese unheilbare Krankheit aufmerksam zu machen.

2001 besuchte ich im Wiener WUK eine Lesung Couplands zu seinem neuen Roman „Miss Wyoming“ (plus dem frisch in die Literaturwelt eingeschlagenen Frederic Beigbeder mit „39.90“). Der Saal war zum Bersten voll, die Luft stickig. Im Getümmel danach gelang es mir, Coupland eine CD („stories from the research labs“) meiner damaligen Band Scapegoat Delu:xxe in die Hand zu drücken, mit den Worten:“The lyrics are very much inspired by your work“. Er antwortete, „well, thank you, maybe you´ll inspire me back.“ Uff, das war ja heftig! Obwohl seine Romantitel schon häufig Bezug zur Popmusik hatte (Generation X war Billy Idols erste Band, Girlfriend in a Coma ist ein Song von den Smiths und, eh kloar, Eleanor Rigby), muss ich wohl nach 10 Jahren meine Hoffnung auf eine Scapegoat-Erwähnung aufgeben (schnief!).

Erst 2010 erschien You Know Nothing of My Work!, eine von Coupland verfasste Biographie von Marshall McLuhan, jenem kanadischen Philosophen, der als Gallionsfigur der Kommunikations- und Medientheorie gilt („The Medium is the Message“). Coupland schreibt  gewohnt witzig und schlau, verknüpft Luhans Theorien mit dessen Lebenserfahrungen und fasst auf knappen 216 Seiten die wichtigsten Zitate und Vorhersagen zusammen. Nicht zuletzt mit diesem Buch gehört Coupland selbst auch zu den großen Denkern und Schreibern Kanadas.

Ein einziges Buch von Coupland habe ich noch nicht ergattern können, da es 2001 nur in Japan (und natürlich in japanischer Schrift) erschienen ist. Inhaltlich scheint es um japanische Popkultur zu gehen. Der Titel klingt heute leider prophetisch-düster: God hates Japan.


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