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Filmstill: Caroline Bobek, © berghammerfilm
Filmstill: Caroline Bobek, © berghammerfilm

Top Sekret. Körperflüssigkeiten als Ware.

von Karin Berghammer

TV-Dokumentation | 56 min | P: berg hammer film | ORF, BR

Erstausstrahlung: Sonntag,  21. November 2021, 23:11 Uhr auf ORF 2

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Ganzen Film jetzt gratis online anschauen  in der BR-Mediathek ( bis 19.04.2022)

oder immer bei vimeo on demand


weitere Sendetermine:

Mittwoch, 26. Jänner 2022 21:45h ARD alpha

Donnerstag,  27. Jänner 2022 14:15h ARD alpha


"Sehenswert!" (Astrid Ebenführer im TV Tagebuch derStandard.at vom 22.11.2021)



Für Frauenmilch, Blut und Sperma gibt es keinen künstlichen Ersatz. Die drei Substanzen können nur aus menschlichen Körpern gewonnen werden. Sie werden in Banken gesammelt, aufbereitet und landen letztlich in anderen Körpern. Karin Berghammers Dokumentarfilm TOP SEKRET schaut sich an, was in diesen Banken wirklich passiert und geht der Frage nach, wer die wertvollen Sekrete um welchen Preis bekommt.

Leopold, 2004 mit nur 960 Gramm in der 27. Schwangerschaftswoche in die Welt geholt, hätte ohne Muttermilch wohl kaum überlebt. Die Kamera ist dabei, als ihm seine allererste Dosis verabreicht wird. 17 Jahre später erinnert sich seine Mutter Barbara, wie der Milcheinschuss ihren Busen beinahe sprengte. Leopold sitzt daneben und stochert in seinem Erdbeerkuchen. In Wien wird seit 1909 Frauenmilch gesammelt. Für einen Liter bekommen Spenderinnen heute € 2,30. Neonatologin und Muttermilchforscherin Dr. Nadja Haiden von der MedUni Wien setzt sich für einen Fortbestand der europaweiten Preisbindung für die „extrem wertvolle“ Substanz ein. Es gilt Zustände wie in den USA zu verhindern, wo der Internethandel mit dem begehrten Stoff wilde Blüten treibt. Bodybuilder sind bereit bis zu 170 Dollar für einen Liter zu bezahlen. Eine stolze Summe, die Mütter ohne eigenes Einkommen dazu verführt, ihre Milch zu Markte zu tragen. Den Preis für diese fragwürdige Sicherung des Familieneinkommens zahlen ihre Babies: Sie werden mit billiger Formula-Nahrung abgespeist.

Damit Karin Modl trotz ihres schweren Immundefekts überleben kann, müssen jedes Jahr mindestens 600 Menschen Plasma spenden. Der Rohstoff für ihr lebensrettendes Medikament kommt unter anderem aus Retz in Niederösterreich. Die Firma Europlasma hat diese Niederlassung wohl nicht zufällig nah an der Grenze eingerichtet, denn die € 25.- Aufwandsentschädigung zieht vor allem tschechische Spender:innen an. Dementsprechend sind neben der Homepage und den Informationsblätter auch alle Mitarbeiter:innen zweisprachig. Blutspenden hingegen ist am Land auch für Bioösterreicher:innen Ehrensache. Wenn das Rote Kreuz seine Betten aufstellt, sind die schnell voll. Der ganz besondere Saft fließt in die vorbereiteten Beutel und der Schmäh rennt. Abseits der lebensrettenden Bluttransfusionen ist aber vor allem die gelbe Fraktion, das Plasma, ein begehrter Rohstoff. Und es kommt nicht nur dort zum Einsatz, wo es um Leben oder Tod geht. Die ästhetische Dermatologin Dr. Barbara Franz demonstriert seine verjüngende Kraft beim sogenannten „Vampirlifting“.

Beim damals 19-jährigen Timo ist auf Instagram eine Werbung aufgepoppt: Werden Sie Samenspender! Neugierig geworden hat er einen Vertrag mit der Erlanger Samenbank abgeschlossen. Das ist jetzt 2 Jahre her und der nunmehr 21-jährige begibt sich einmal pro Monat in den „Gewinnungsraum“. Wenn sein Sperma den definierten Qualitätskriterien entspricht, bekommt er für jeweils sechs Spenden € 780.-. Beim letzten Gespräch mit Samenbankleiter Dr. Hammel hat er erfahren, dass er mittlerweile „Vater“ ist.

Sunny Müller, eine junge Frau, die selbst durch eine Samenspende entstanden ist, hat sich auf der Suche nach ihrem Vater bei einer DNA Datenbank registriert. So hat sie eine Halbschwester in den USA gefunden, deren Mutter vom selben Gynäkologen behandelt worden ist. Die beiden haben nun einen Verdacht, wer der Mann gewesen sein könnte, dessen Samen sie ihre Existenz verdanken.

2021

Regie: Karin Berghammer | Drehbuch & Produktionsleitung: Barbara Eppensteiner | Nach einer Idee von Irini Athanassakis | Kamera: Caroline Bobek, aac | Ton: Lenka Mikulová, Ken Rischard, Patrick Gasada | Montage: Gernot Grassl | Musik: Christof Dienz | Dramaturgische Beratung: Andrea Ernst | Sounddesign & Mischung: Georg Tomandl | Farbkorrektur: Johannes Püller | Produktions- & Schnittassistenz: Franziska Teresa Aringer