Doku / 45 min / PAL 16:9 / ©2008 Mali, Mosambik, Senegal, Südafrika, Uganda / © ZDF 3sat & Haspel Film
Regie: Peter Zurek / Kamera: Wolfgang Hackl, Sebastian Postl / Schnitt: Gernot Grassl
Erstausstrahlung: 25.04.2008, 20:15 3sat
Afrika ist seit langem der Kontinent mit der schlechtesten Presse: kein Tag ohne Berichte über Seuchen, korrupte Politiker, Wahlfälschungen, Flüchtlingselend und kriegerische Handlungen. Doch zu Beginn des neuen Jahrtausends schlossen sich zahlreiche afrikanische Staatsführer zusammen, um ein anderes Bild des krisengeschüttelten Kontinents zu vermitteln: ein erwachendes Afrika, das Wege aus der Krise sucht und nicht mehr in die apokalyptischen Klischees passt.
Im Rahmen der New Partnership for Africa´s Development (NEPAD) bekannten sich die Afrikaner 2001 zu einem radikalen Paradigmenwechsel von einer passiven, empfangenden hin zu einer aktiven, selbstverantwortlichen Entwicklungsstrategie. Die afrikanische Renaissance sei unumkehrbar, meint Konaré, der erste Kommissionspräsident der Afrikanischen Union, und mit ihr der Wille, für die Zukunft selbst verantwortlich sein zu wollen. In fünf Staaten des Kontinents hat der 3sat-Autor Peter Zurek nach Entwicklungen gesucht, die trotz aller aktuellen Krisenherde Anlass zur Hoffnung geben. Im Senegal, in Mali, Südafrika, Mosambik und Uganda hat er Projekte gefunden, die fernab unserer medialen Aufmerksamkeit für ein neues afrikanisches Selbstbewusstsein stehen und vielleicht für den Beginn eines afrikanischen Jahrzehnts.
Die kleine senegalesische Stadt Point Saréne liegt am Atlantik. Hier, wo die Strömung weniger gefährlich ist, warten bis zu 20.000 Afrikaner darauf auf eine illegale Überfahrt zu den Kanarischen Inseln. Hunderte haben im letzten Jahr diese gefährliche Reise in eine vermeintlich bessere Zukunft nicht überlebt. Um ihrer Stadt wieder eine Perspektive zu geben, haben sich 240 Mütter und Ehefrauen zusammen getan und eine Kooperative gegründet. Sie verkaufen den Fisch, den ihre Männer in der Nacht fangen. Das Geschäft geht so gut, dass die Produktion verdoppelt und Geld auf die Seite gelegt werden konnte. Nun vergeben die Frauen von Point Saréne Kredite an ihre Männer, die damit Treibstoff und Boote anschaffen können. Mittlerweile ist so viel Geld im Umlauf, dass eine kleine Bank im Ort gebaut werden musste. Nun hoffen die Menschen, dass der neue, relative Wohlstand zu einem Umdenken bei den jungen Leuten führt. Denn es sind die Jungen, die nachts die seeuntüchtigen Boote in Richtung Europa besteigen.

Ein zweites Beispiel für ein neues afrikanisches Selbstbewusstsein findet sich in Durban, Südafrika, einem der Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Am Stadtrand in Sichtweite des neuen Stadions liegt eine Ansammlung von Bretterhütten. Doch die Siedlung entspricht nicht dem afrikanischen Klischee. Denn hier hat sich eine Selbstverwaltung etabliert, die die Interessen der Bewohner gegenüber den Behörden vertritt, für Wasseranschlüsse und Kinderbetreuung sorgt und das Transportwesen aufrecht erhält. Viele der Bewohner sind Wirtschaftsflüchtlinge aus ärmeren afrikanischen Ländern wie Zimbabwe oder der Demokratischen Republik Kongo. Darunter junge Menschen, die in ihren Heimatländern höhere Schulen abgeschlossen haben und in Abendkursen Englisch lernen, um später einmal an einer südafrikanischen Universität studieren zu können.

Auf einen Studienplatz, zum Beispiel in Deutschland, hoffen auch die malischen Offiziere, die an der Universität von Bamako die deutsche Sprache studieren. In Mali, einem der ärmsten Länder der Welt, wurden in den letzten 12 Jahren die Ausgaben für das Schulwesen verdoppelt, 2.000 neue Lehrer eingestellt und 700 zusätzliche Schulen eröffnet. Diese Entwicklung hat die internationale Geber-Gemeinschaft inzwischen bewogen, ihre finanziellen Zuschüsse zum Erziehungs-Programm zu verdreifachen.

Ausländische Investoren kommen zunehmend auch nach Mosambik, das über Jahrzehnte vom Kampf gegen die portugiesischen Kolonialherren, von Bürgerkrieg und Hungersnöten erschüttert wurde. Nahe der Hauptstadt Maputo liegt das Städtchen Manhica am tropischen Fluss Inkomati – einer Brutstätte der Anopheles-Mücke, die Malaria überträgt. Hier wurde mit europäischer Hilfe das Gesundheitszentrum CISM errichtet. Über GPS werden die Daten von 82.000 Familien verwaltet, deren Gesundheitszustand mindestens zweimal jährlich überprüft wird. Außerdem wird hier ein neuer Malaria-Impfstoff für Kindern eingesetzt – mit ermutigenden Ergebnissen: klinische Malaria-Schübe bei Kleinkindern konnten um bis zu 49 Prozent reduziert werden.

Neben Malaria kämpft Afrika seit zwei Jahrzehnten vor allem gegen die erschreckenden Folgen der zahllosen AIDS-Erkrankungen. Uganda, das vor 20 Jahren als die Wiege von AIDS galt, setzt inzwischen Hoffnungszeichen. In einem ehrgeizigen Unterfangen ist es der Uganda Aids Commission gelungen, Aufklärung und Vorsorge so weit zu intensivieren, dass die Neuinfektionen substantiell zurück gingen. 3sat hat vor zehn Jahren im damals ausgestorbenen Rakai gedreht, wo annähernd 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung infiziert waren. Heute erleichtern effiziente Medikamente das Leben der Infizierten und in die Stadt ist ein neues Selbstbewusstsein eingekehrt.


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