Filmeschneiden wird häufig mit dem Zusammensetzen eines riesigen Puzzles verglichen. Für mich ist der Vergleich nicht so zutreffend, da es ja nur eine Möglichkeit gibt, die Teile eines Puzzles zusammenzusetzen. Ich finde Legobauen eine viel bessere Analogie: die Anzahl und Art der Bausteine ist vorgegeben (das Rohmaterial) und geben den Rahmen vor, in dem man agieren kann, um seine – die einzig „richtige“ von Milliarden möglichen – Version zusammenzustellen…
Als Kind war Lego mein Lieblingsspielzeug, und zwar mit Abstand, und das sehr lange – tja. Hat meine Lieblingsbeschäftigung im Kindesalter unterbewusst meine spätere Berufswahl beeinflusst? Hat die Lust am Entdecken der Essenz des Rohmaterials mit dem ewigen Kramen im riesigen Legohaufen zu tun? Das Kribbeln im Kopf beim ersten „Spüren“ der Geschichte des Films nach der Rohmaterialsichtung mit der plötzlichen Lego-Bauidee, ausgelöst durch einen einzigen Baustein?
Natürlich werden bei diesem Vergleich viele Bereiche des Filmschnitts nicht berücksichtigt – Dramaturgie, Kontinuität, Atmosphäre usw. – aber Aussenstehende sind meist von der Fülle des Materials erschlagen, und da muss man nun mal durch, sonst kommt man gar nicht bis zu dramaturgischen Entscheidungen usw. In Zeiten immer knapperer Budgets, zumindestens bei TV-Produktionen, fehlt leider immer öfter die Zeit – und häufig auch das Verständnis von Seiten der Produzenten – für gründliches Sichten des Rohmaterials am Beginn des Schnittprozesses. Aber wie soll man eine noch nie da gewesene Weltraumstation bauen, wenn man die spacigsten Teile gar nicht entdeckt hat?


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