Historische Dokumentation / ©2002 / 90min / R: Wolfgang Hackl / a1plus & ORF 3sat
Mit Michael Heltau und Gabriele Buch
Erstausstrahlung: 27.02.2002, 3sat
Sendung am 24.02.2002, ORF: 45´-Version

„…Autor Peter Zurek legte den Schwerpunkt auf die Tagebücher, Regisseur Wolfgang Hackl ersann atmosphärische und sinnfällige Bilder. Deren schönstes ist die Detailaufnahme einer Schreibmaschine, der die Kamera derart nahe kommt, dass die Stege der Lettern wie Grashalme erscheinen und das Innere zum bergenden Schiffsbauch wird…“
(Süddeutsche Zeitung Nr 46, S 21)

Der Film zeichnet das Leben Zweigs im Wien der Habsburgermonarchie nach und beschreibt seine Tätigkeit im Kriegsarchiv während des Ersten Weltkriegs. Die Ära seines erfolgreichsten Schaffens erlebt Zweig in Salzburg: Ende der zwanziger Jahre geht die kulturelle Prominenz in seinem Haus auf dem Kapuzinerberg ein und aus. Nur wenige Kilometer weiter – jenseits der Grenze – braut sich bereits das Unheil zusammen. Als die Polizei bei Zweig eine Hausdurchsuchung nach versteckten Waffen vornimmt, fasst er den Entschluss, ins Exil zu gehen.
Nach Stationen in England und den USA landen Zweig und seine zweite Ehefrau Lotte in Brasilien. Vor dem tropisch-heißen und feuchten Klima Rio de Janeiros flüchten sie in die Berge. Im August 1941 treffen die beiden in der letzten Station ihres Exils ein, der Provinzstadt Petropolis. Noch einmal rafft sich Zweig zur Arbeit auf: ”Die Welt von Gestern” und die ”Schachnovelle” entstehen.
Schließlich aber gewinnt die Verzweiflung über den Verlust von Heimat und Sprache die Oberhand: Am 22. Februar 1942 nehmen Stefan und Lotte Zweig eine Überdosis Veronal. Ein mittlerweile vergessener Germanist nannte Stefan Zweig vor 25 Jahren einen ”halb verschollenen Schriftsteller”. Heutzutage hat er endgültig seinen Platz in der Weltliteratur gefunden.

„…Den gründlichsten Zugriff bietet Peter Zureks und Wolfgang Hackls „Der heimatlose Europäer“, ein biographisch und zeitgeschichtlich orientiertes Arrangement aus authentischem Bildmaterial, nachgestellten Szenen sowie Texten Zweigs und seiner Freunde Thomas Mann, Zuckmayer und Werfel. Der dominante Sprecher Michael Heltau ähnelt Zweig in keiner Weise, dafür trifft er dessen Tonfall und Satzrhythmus. Trotz Detailfülle verliert diese Dokumentation nie den Überblick: Grandios überblendet sie etwa die Flammen der Bücherverbrennung mit einer bleichen Sonne im brasilianischen Provinznest Petropolis und markiert so nachdrücklich Anfangspunkt und Endstation von Zweigs Passionsweg….“
(FAZ 26.02.2002 Nr.48, S 54)

Buch: Peter Zurek
Regie: Wolfgang Hackl
Schnitt: Gernot Grassl
Recherche & Musikgestaltung: Sonja Wiche-David
Kamera: Thomas Prodinger, Konrad Edelbacher
Ton: Christian Waldl
Produktionsleitung: Waltraud Rowhani
Aufnahmeleitung: Jürgen Moors
Aufnahmeleitung Brasilien: Barbara Plavcak
Trick: Manfred Haspel
Oberbeleuchter: Jockl Peter
Beleuchter: Roland Heinrich
Requisite: Fritz Müller
Kostüm: Petra Tichy Meschnark
Maske: Ursula Stroppa
Sprecher: Peter Wolfsberger, Stefan Fleming


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