zum Schnitt

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    Dokumentation, AT 2011 / 83 min / R: Renata Schmidtkunz / K: Avner Shahaf, Heribert Senegacnik, Oliver Indra / Schnitt: Gg / P: Navigator Film für WDR, BMUKK, ORF

    Ein Film über das Jetzt und die Erinnerung. Über den Zufall und die Dinge, die unterwegs verloren gehen. Über Sprache und Landschaften und die Nuancen, auf die es ankommt: „Der eigentliche Kontrast, der mich interessiert, ist nicht zwischen Opfer und Täter, sondern zwischen Opfersein und Freisein“.
    Ruth Klüger: Mutter und Jüdin, Germanistin und Feministin, Holocaust-Überlebende und Bestseller-Autorin. Renata Schmidtkunz hat Klüger über drei Jahre hinweg begleitet und gewährt uns Einblick in die unbestechlichen Ansichten dieser außergewöhnlichen Frau.
    Das war meine erste Zusammenarbeit mit Renata Schmidtkunz – die neben ihrer Tätigkeit als Regisseurin auch für ihre ö1-Sendung „Im Gespräch“ und ihre Moderationen beim Club2 und Ö1-Radiokolleg bekannt ist – und wir verstanden uns sofort prächtig, sowohl künstlerisch als auch menschlich. Was bei diesem Film auch sehr wichtig war, denn ein langer Weg lag vor uns. Zum einen bot uns das Gedankenuniversum Ruth Klügers eine so große Fülle an guten verwendbaren Interviewpassagen, daß es einer der Hauptschwierigkeiten war, diese auf 83 Minuten „herunterzukochen“. Zum anderen hat Renata Schmidtkunz das Rohmaterial im wahrsten Sinne des Wortes dokumentarisch über mehr als 3 Jahre hinweg gesammelt, sprich: Ruth Klüger auf Schritt und Tritt mit der Kamera begleitet. So fokussiert Renata Schmidtkunz von Anfang an auf die zentrale Frage des Filmes „Wie kann man nach dem Überleben des Holocaust weiterleben?“ war, so viel Spielraum gab uns das Material, den dramaturgischen „Plot“, die Story erst beim Schnitt zu entwickeln (und das ist ja nun mit Abstand immer schon meine Lieblingsaufgabe beim Schnitt  ;-)). Nicht Malen nach Zahlen, sondern Material durchschnüffeln, Stimmungen suchen, unbekannte Türen öffnen, Bilder neu aneinanderstellen. Daß wir auch formal harmonieren, zeigte sich schon am  ersten Schnitttag, an dem wir den Opener des Films montierten (ja, tatsächlich blieb der als erstes geschnittene Block auch wirklich der Anfang des Films, wahrlich eine Seltenheit).
    Und dann war ja noch Ruth Klüger selbst, unsere Protagonistin. Immer bei uns in Bild und Ton – und anders als bei meinen bisherigen Arbeiten über bekannte Literaten (Schnitzler, Zweig, die Mann-Brüder, Feuchtwanger, Tennessee Williams), immer lebendig und nur einen Anruf oder eine Email entfernt. Sie während des Schnitts und bei der Premiere persönlich kennenzulernen, war mir eine ganz besondere Ehre. Über Ruth Klüger könnte ich jetzt endlos schreiben, wer mehr über sie wissen möchte, empfehle ich ihre Bücher „weiterleben. Eine Jugend“ und „unterwegs verloren“ zu lesen.
    Die Weltpremiere fand im Rahmen eines Gala-Abends der VIENNALE´11 genau an Ruth Klügers 80. Geburtstag im Gartenbaukino statt. Zeitgleich mit unserer Premierenfeier sendete der ORF  ab 00.05h die 52min-Fassung des Films mit dem Titel „Landschaften der Erinnerung“. Weiters wird eine 30min-Fassung des Films im WDR gesendet, unter dem Namen „Leben nach dem Überleben. Die Literatin Ruth Klüger“.
    Fotos von der Premiere im Gartenbaukino und Feier in Newalds Photoblog/derStandard.at
    Standard-Artikel zu Das Weiterleben der Ruth Klüger
  • „Wir operieren hier nicht am offenen Herzen“. Mir ist es wichtig, im Schneideraum keinen Druck zu haben.“


    Claudia Wolscht, Spielfilm-Cutterin aus Köln, auf die Frage, welcher professionelle Rat ihr am meisten geholfen hat. Gefunden auf schnitt.de, zitiert aus einem Interview im Buch Dominik Graf: Im Angesicht des Verbrechens. Fernseharbeit am Beispiel einer Serie.Berlin/Köln 2010. Alexander Verlag, ca. 360 Seiten. ca. 24,90 Euro.

  • Das Schneiden ist der einzige Vorgang, bei dem der Film keine Anleihen bei anderen Künsten macht. Man kann doch sagen, dass das Drehbuchschreiben eine Anlehnung an die Literatur darstellt, das Proben vor der Kamera dem Theater entliehen ist, das Drehen eine Anwendung der Photographie bedeutet. Nur beim Schneiden ist der Film ganz bei sich, er hat etwas, was keine andere Kunstform aufweisen kann.
    (Stanley Kubrick, Regisseur und Autor, Eyes Wide Shut, Full Metal Jacket, The Shining, Barry Lyndon, A Clockwork Orange, 2001: A Space Odyssey, ua)

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    „Jetzt ham´s den fotografierten Manderln eine Stimm´ geben, dann wern se´s vielleicht auch noch bunt anmalen, dann wird man vielleicht den ganzen Film ins Haus schicken per Telefon oder was weiß ich.“
    Viktor Kutschera, Wiener Theater- und Filmschauspieler. Dieses Zitat aus 1928 (überliefert durch Luise Ullrich) hat streng genommen keinen direkten Bezug zum Schnitt, aber durchaus prophetische Charakter für die weitere Postproduktion von Filmen. Hut ab, Herr Kutschera! Gefunden im Editorial der aktuellen filmarchiv Austria-Programmzeitschrift (#70, 11/10) von Günter Krenn.

  • Das Schneiden ist der einzige Vorgang, bei dem der Film keine Anleihen bei anderen Künsten macht. Man kann doch sagen, dass das Drehbuchschreiben eine Anlehnung an die Literatur darstellt, das Proben vor der Kamera dem Theater entliehen ist, das Drehen eine Anwendung der Photographie bedeutet. Nur beim Schneiden ist der Film ganz bei sich, er hat etwas, was keine andere Kunstform aufweisen kann.
    (Stanley Kubrick, Regisseur und Autor, Eyes Wide Shut, Full Metal Jacket, The Shining, Barry Lyndon, A Clockwork Orange, 2001: A Space Odyssey, ua)

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    „Am Schneidetisch wird aus Gestammel Rhetorik. Weil es diese rhetorische Artikulation gibt, ist der Diskurs ohne Artikulation im Schneideraum Gestammel.“
    Harun Farocki, Regisseur, Produzent, Autor & Editor (z.B. Etwas wird sichtbar, Leben – BRD, Gefängnisbilder, Die Schöpfer der Einkaufswelten)

  • Die Kunst, eine Geschichte spannend zu erzählen, ist bekanntlich der Kern jedes guten Films, egal ob Spielfilm, Doku oder Werbeclip. Eine Tatsache, die aber zur Zeit gerne übersehen wird, da sehr viel Aufmerksamkeit auf die vielen neuen technischen Möglichkeiten der Bildgestaltung gerichtet wird. Das optisch schier unglaubliche 3D-Netzhaut-Feuerwerk Avatar ist da nur das prominenteste Beispiel, das schale Gefühl, dass die Story weder Herz noch Hirn aktiviert, war bei mir letzendlich der bleibende Eindruck. Muß man gesehen haben, ja klar, weil zu spüren gab´s leider wenig.
    Deshalb lege ich jedem diesen Werbespot von Canal+ ans Herz (im wahrsten Sinne des Wortes!), ein Meisterstück der Erzählkunst. Anschauen und nachher das Kribbeln im Kopf und Bauch abspeichern, das dieser kurze Film am Ende verursacht – so muss Film wirken. Viel Spaß!

    Dem Irrglauben, dass es für gute Ergebnisse lediglich der genialen Idee im Sinne eines plötzlichen Geistesblitzes bedürfe, versucht die Website the99percent.com entgegenzuwirken, frei nach Thomas Edison: „1% is inspiration, the rest is perspiration.“ Den Betreibern The Behance Team geht es um die verbleibenden 99%, also der Umsetzung von Ideen. Auch wenn sie aus dem Design- und Werbebereich kommen, finde ich ihre Themen für alle kreativ Arbeitenden inspirierend, wie dieses Video des bekannten Storytellers Jay O´Callahan:

  • Das Schneiden ist der einzige Vorgang, bei dem der Film keine Anleihen bei anderen Künsten macht. Man kann doch sagen, dass das Drehbuchschreiben eine Anlehnung an die Literatur darstellt, das Proben vor der Kamera dem Theater entliehen ist, das Drehen eine Anwendung der Photographie bedeutet. Nur beim Schneiden ist der Film ganz bei sich, er hat etwas, was keine andere Kunstform aufweisen kann.
    (Stanley Kubrick, Regisseur und Autor, Eyes Wide Shut, Full Metal Jacket, The Shining, Barry Lyndon, A Clockwork Orange, 2001: A Space Odyssey, ua)

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    „Das Schneiden ist der einzige Vorgang, bei dem der Film keine Anleihen bei anderen Künsten macht. Man kann doch sagen, dass das Drehbuchschreiben eine Anlehnung an die Literatur darstellt, das Proben vor der Kamera dem Theater entliehen ist, das Drehen eine Anwendung der Photographie bedeutet. Nur beim Schneiden ist der Film ganz bei sich, er hat etwas, was keine andere Kunstform aufweisen kann“.


    Stanley Kubrick, Regisseur und Autor (Eyes Wide Shut, Full Metal Jacket, The Shining, Barry Lyndon, A Clockwork Orange, 2001: A Space Odyssey, u.a.) zitiert von der aea-Homepage.



  • „At the beginning you have no plan, only an idea of what the film might be. Then you say, „oh, that´s good, that´s a story, that´s a character, there´s themes in here we are happy with“, and it all holds together. Then you bring in the actors, the art department, costume department and everybody else in and things start shifting ever since. I mean, we still got the same map, we know the destination, but there´s been some meandering going on…

    And finally when you´re editing, and that´s the major point, you realize you shot everything in the wrong order. So we move it around again. But it ends up being the same film.

    It´s always strange how that happens, I get quite mystical about it. I basically feel the film is making itself and it forces us all to march at the beat of its drum, and not mine.“


    Terry Gilliam, Monty Python-Mitglied & Regisseur (Brazil, Fear and Loathing in Las Vegas, The Imaginarium of Doctor Parnassus), zitiert aus dem podcast The BBC Film Programme (2009)



  • „I think great editing skill will protect the director from suicide.“


    Sean Penn
    , Schauspieler und Regisseur (Milk, 21 Grams, Dead Man Walking; Into the Wild, The Indian Runner), zitiert aus The Cutting Edge: The Magic of Movie Editing (DVD)

  • Rattelschneck zum Filmschnitt_kl2©Rattelschneck
    Zu Halloween und Allerheiligen muss es einfach wieder einmal betont werden: die todernste Verantwortung des Editors ist nicht zu unterschätzen!
    Diesen Bilderwitz hat meine liebe Mama in der Presse entdeckt,  tausend Dank für die Erlaubnis zum Posten an die Urheber Rattelschneck, die auf ihrer Heimatseite noch viele ähnliche Leckereien anzubieten haben.  In diesem Sinne: trick or treat!