Bücher

  • Generation_A - Douglas_Coupland
    Wissen Sie, was ein earth sandwich ist? Nein? Dann sollten Sie unbedingt dieses Buch lesen.
    Ja, auch mich nerven die ständige Etikettierungen wie Generation Golf, Generation Praktikum usw. durch die staatstragende Bedeutung, die einer gesellschaftlichen Entwicklung oder Gruppe allein mit dem Wort Generation gegeben wird. Doch Douglas Coupland, Autor und Designer aus Vancouver, Canada, darf das auch 2009 noch, schliesslich hat er  mit seinem Roman Generation X im Jahr 1991 (!) den Trend begonnen.
    Das A steht hier für Neubeginn und  das Zentrum der Story ist wieder das Storytelling selbst. Coupland entwirft einen witzigen Plot in the near future, wo starke Veränderungen des Klimawandels, der Weltwirtschaft und des Einflusses der Pharmaindustrie – natürlich noch weiter zum Schlechten – massiv spürbar sind. Die halbe Middle Class-Bevölkerung ist auf einer (legalen) Droge namens Solon, die einem die Angst vor der Zukunft nimmt, kerosinintensive Flüge sind kaum leistbar und das US-Handynetz ist recht störanfällig, seitdem die Regierung die Miete an den chinesischen Betreiber nicht mehr pünktlich zahlen kann. Aber vor allem das jahrelang andauernde unerklärliche Verschwinden der globalen Bienen-Population steigert bei den Menschen Gefühle der global digital loneliness – bis plötzlich innerhalb kurzer Zeit an verschiedenen Orten der Welt 5 recht unterschiedliche Individuen von Bienen gestochen werden…

    So apokalyptisch er diese Welt auch beschreibt, Coupland hat seinen Humor nicht verloren und kreiert 5 witzige Protagonisten, die im letzten Drittel des Romans zum großen Storytelling-Finale zusammenfinden. Während Chuck Palahniuk in Haunted mit seinem Geschichten-Erzähl-Reigen bei mir eher den Eindruck erweckte, er habe alle seine unveröffentlichten Kurzgeschichten verkrampft in einen Roman gezwängt, greifen die Stories in Generation A ineinander, wächst die eine in die nächste hinein, übertragen sich Ideen, Muster, Gedanken und Namen. Zusammen ergibt das sowas wie eine organische, globale Assoziationssymphonie, ganz im Stil von Douglas Coupland: trendy, aber gscheit.
    PS: Falls Sie wissen wollen, ob Sie in ihrem Wohnort einen earth sandwich machen können, klicken Sie hier und schieben Sie die Weltkarte mit der Maus herum.

  • Notizen und Gespräche zu Filmmontage und Dramaturgie

    Ein MUSS für jede/n Cutter/in: Gabriele Voss behandelt die Kunst des Schnitts – insbesondere des Dokumentarfilms – so ausführlich und betrachtet diese aus so vielen Blickwinkeln, wie noch selten jemand in der deutschsprachigen Literatur. Während dies meisten Bücher sich mit der Schnitt-Technik beschäftigen, interessiert sie die ganz grundlegenden Fragen: Was passiert mit uns, wenn wir etwas sehen? Warum verstehen wir einen Schnitt überhaupt? Wann „muss“ man schneiden, wann nicht? Was ist Montage? Zur Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen hat Gabriele Voss eine beachtliche Gruppe von Experten interviewt: neben dem wohl prominentesten, dem Filmemacher und Schriftsteller Alexander Kluge (Kapitel „Die Kategorie im Zusammenhang“) sprach sie auch mit Wolf Singer (Leiter der Hirnforschung am Max Planck Institut, Frankfurt/Main) über das „sehen verarbeiten“. Das Kernstück des Buches sind jedoch für mich die Ansichten der interviewten erfahrenen Cutter/innen Raimund Barthelmes, Peter Przygodda, Beate Mainka-Jellinghaus, Barbara Hennings, Thomas Giefer, Brigitte Kirsche, Bettina Böhler, Elfi Kreiter, Mathilde Bonnefoy, Heide Breitel und Wolfgang Widerhofer, die Voss zu einem virtuellen Gespräch miteinander verknüpft und dadurch auch sehr widersprüchliche Meinungen nebeneinander stehen lässt. Und genau das beweist, worum es beim Schnitt auch immer geht: neben Atem und Rhythmus, Wahrnehmung und Empfindung, Chaos und Ordnung auch um die privaten Erfahrungen und die eigene Haltung des Cutters.
    Ein Jahr nach dem Buch ist auch eine Doppel-DVD gleichen Titels erschienen, die die wesentlichen Stellen der Interviews zusammenfasst und mit entsprechenden Filmmaterial anschaulich kombiniert, was natürlich ein Vorteil des visuellen Mediums gegenüber dem geschriebenen Wort ist. Ich hab mir beides zugelegt – Empfehlung!
    Buch (19.-€, 252 Seiten, Verlag: Vorwerk 8, 2005) und
    Doppel-DVD (31.-€, 74 min, Studio: Alive, 2006) bei Amazon.de


  • Ein Buch, das sich langsam anschleicht, um einen dann nicht mehr loszulassen: Susan Sontags 2005 posthum bei Hanser erschienene Essay-Sammlung „Worauf es ankommt“ enthält nicht nur literarische Beobachtungen ihr liebgewordener Schriftsteller, sondern auch Spannendes zum Thema Wahrnehmung im Allgemeinen und Film & Kino im Speziellen.
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